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Mittwoch, 20. Mai 2009

Magun, Simurgh – ja wer denn nun?

ACHTUNG: Das ist eine laaaaange Geschichte.

Er, der Verfasser, You-know-who, ja ihr wisst schon wer, ist ein Idiot (also ein "einfacher Mensch", „Privatperson“ „Eigentümlichkeit“, „Eigenart“, ein "Stümper" oder einfach nur ein "Andersdenkender"). Er hat viele Namen, Simurgh oder Magun – Magun Simurgh. Und was er auf jeden Fall auch hat: Viele Vögel. Meisen, Fledermäuse, Flughunde, fliegende Fische – was eben so rumfliegt als Synonym für nicht ganz richtig ticken.
Simurgh möchte nicht komisch genannt werden, er betrachtet sich selbst als "mindestens urkomisch". Er neigt zu Übertreibungen.

Außerdem wollte er unbedingt hier noch ein altes Vorurteil ausgeräumt haben: Magun hat nichts gegen Reime, aber Simurgh misstraut ihnen grundsätzlich. Sie sind kleine Biester, die sich mal schüchtern mal extravertiert aufdrängen als Sprachprofil für einen Text – für Magun sind sie einfach wie ein Anzug, der manchem (Text) zu eng ist, einem anderen zu groß und wieder andere kleidet er eben gut.

Über den einen Teil (Simurgh) seines Pseudonyms weiß er zu berichten:


"[...] Diesen Namen nutzte ich schon oft als Pseudonym; ich mag nicht nur seinen Klang, sondern vor allem seine Geschichte.

Es ist eine alte persische Legende – Simurgh ist der König der Vögel. Er hat angeblich übernatürliche Kräfte, lebt auf dem Baum des Lebens Saena, der mitten im Urmeer steht, und verbreitet dessen Samen mit Flügelschlägen. Doch einmal alle tausend Jahre erscheint er in einem Gebirge. Alle Vögel der Welt begeben sich dann auf die Reise, um ihn zu treffen. Die Geschichte von den dreißig (si) Vögeln (murgh), die den Weg durch die sieben Prüfungstäler bestehen (der Rest schafft es nicht), hat ein gewisser Faridoddin 'Attâr Neyshapuri in seinen Vogelgesprächen aufgeschrieben. Jedenfalls werden sie im Ende für all ihre Mühen entlohnt – sie sehen einen stolzen, prächtigen, golden schimmernden Vogelkönig. Und was tut der? Er offenbart ihnen, dass sie nichts sehen als ihre eigene Schönheit, als das, was sie sich bei all den harten Prüfungen erarbeitet haben. Er sei zwar der Auslöser für ihre Reise gewesen, doch letztendlich nur ein Spiegel ihrer selbst.
Für mich spiegelt die Geschichte sehr meine Betrachtungsweise von Literatur wider. Simurgh ist der Schriftsteller. Er verteilt die Samen – die Inspiration, die neuen Ideen, die Visionen. Und er ist der Anlass vieler geistiger Reisen, bei denen wirklich nur sehr wenige Menschen am Ende das Ziel erreichen. Nur wenige werden den Schlüssel finden, der sie ganz tief in die Werke einlässt – Literatur ist kein Massenprodukt. Doch diejenigen, die es schaffen, werden feststellen, dass der Autor nicht viel getan hat, dass sie ganz allein dorthin gekommen sind, wo sie sind, er gab lediglich ein paar Anregungen. Das macht jeden Schreiber ein bisschen zu einem Phantom, zu einer Legende, jeder glaubt, es zu jagen, biografische Bezüge zu suchen, doch schließlich werden sie nichts Geringeres finden als ein Stück von sich selbst.
[...]
Ich finde, Schreiben ist eher wie Wasser, jeder Tintenklecks, jedes Wort, verläuft eben so, wie es gerade passiert. Dabei entstehen nun einmal keine Quadrate, keine Kreise, keine der Formen, die wir literaturwissenschaftlich oder geometrisch betrachten würden. Ich möchte, dass meine Texte als eigenständig und autoindividuell – also unabhängig von meiner Identität – betrachtet werden. Mein biografischer Bezug ist völlig irrelevant, sie sollen jedem das geben, was sie für ihn sagen können; ich bin dafür völlig egal. (Nachtrag: In Anbetracht dieser Metapher bezeichne ich meine Werke selbst als Tropfenlyrik. Ein anderer Name, den ich dafür gefunden habe, ist Vulkanlyrik, da sie einfach so aus mir ausbrechen. Egal, welche von beiden ich dafür verwende, eines bleiben sie mit Sicherheit, nämlich Fragmentlyrik – sie sind immer nur Teil eines Ganzen, eines Meeres aus Wasser oder Lava in mir. Aber dennoch losgelöst … )
[...]
Der Grund, wieso ich schreibe, ist jedoch ein anderer: Wir halten uns viel zu selten den Spiegel vor, sagen den Menschen, was sie uns bedeuten, was für Spuren sie in uns hinterlassen, doch ich glaube, dieses Feedback ist für den Einzelnen sehr wichtig, um seinen Platz hier zu sehen. Deshalb schreibe ich – um den Menschen ihren Platz in meinem Leben zu zeigen; und natürlich auch, um Dinge zu verarbeiten, obwohl ich dennoch nicht sagen könnte, dass dabei mal keine andere Person als ich eine Rolle spielt. Wir haben eben immer einen Bezug zu anderen, egal wo und wann.
Bleibt natürlich noch eine berechtigte Frage offen – wieso Lyrik? Kurz gesagt: Manchmal leiten Fehlstellen den (Gefühls-)Strom besser, als es ein richtiger Leiter je könnte. Ich weiß, dass das einer meiner hinkenden Vergleiche wird, für die mich wissenschaftliche und nichtwissenschaftliche Denker gleichermaßen hassen können. Die einen, weil ihre schönen Theorien schändlich missbraucht werden und die anderen, weil ich unbegreiflichen Mist schreibe – na ja, ich habe noch die Hoffnung, dass es jemand einfach nur liest und vielleicht sogar versteht. Am besten noch einmal von Anfang an: Lyrik ist das Halbleiterelement der Literaturtechnik. In einem Halbleiter werden unter gewissen Bedingungen (wie Wärme- oder Lichteinstrahlung oder durch dotierende Bearbeitung) Elektronen gelöst, dadurch entsteht ein Loch, in das ein anderes Elektron „springen“ kann – in diesem Moment kann wieder ein anderes nachrücken. Es entsteht beim Anlegen einer Spannung ein Stromfluss, indem die Elektronen nacheinander in einer Kette die Fehlstelle besetzen – „das Loch wandert.“ Mit Halbleiterchips ist es möglich, winzige Mikrochips zu bauen, man kann kleine Geräte erschaffen, die mit Vollleitern nie machbar wären. Schlussendlich bringt die Kombination von beiden den Rechner oder Fernseher zum Laufen.
Und genau das ist es – um zum Thema zurückzukommen – die reduzierte Sprache von Gedichten hat natürliche Fehlstellen, und wenn der Leser sich einbringt, seine Gefühlsspannung anlegt, kann ein Strom fließen, für den tausend Seiten Fließtext nicht genügen. Lyrik ermöglicht einfach in völliger Freiheit, progressiv, Sachen in fünf Versen auszulösen, wie es ganze Romane kaum (so genannte Popliteratur vermutlich gar nicht) könnten. Das ist für mich das Faszinierende daran. Der „echte“ Leiter – die Prosa – kann einfach gewisse Dinge nicht sagen. Allerdings entscheidet, wie gesagt, letzten Endes der kluge Einsatz von beidem zusammen. Versform und Fließtexte bringen nur gemeinsam die Literaturtechnik zum Laufen, deshalb ist die Lyrische Krisensitzung (Anmerkung: Ein Werk des Aussagenden) auch beides, weil es einfach Schnittstellen geben muss."


Über den anderen Teil (Magun) sagt er nur kurz, dass er eine Meise hat.

Mit freundlichsten Grüßen,
der Beitragsverfasser


(http://steckenpferdschreibereien.twoday.net)

Magun Simurgh

Magun Simurgh, am Postkasten auch Florian Scharf.
Jahrgang 1990.


Am Schreiben seit 2006, lernt er seit 2008 nun auch das Sprechen, ist

inzwischen aus dem Alter raus, in dem er "Gagag" zu Schaufelbaggern

sagt und "Häschen-Schnuppernäschen"-Lieder auf Tonträger bannt.

Allerdings kann er sich hie und da ein bisschen Öffentlichkeitsarbeit

in Form des ein oder anderen Audio-Monologs aus Eitelkeit nicht verkneifen.

Er ist nicht der Erfinder des Querdenkens, praktiziert es aber in
seiner Quadratur leidenschaftlich. Außerdem versucht er sich darin,
noch als Lebendiger das Herz am rechten Fleck zu tragen.


Er sagt:

"Ich hatte immer das Problem, dass niemand meine Texte verstand, ich
sie aber ganz toll fand. Im Sommer 2008 habe ich dann in Klausur mit
mir herausgefunden, dass es vermutlich daran lag, dass mein
Verständnis ebendieser sehr von einer vorgestellten Betonung abhängt,
so dass es mir unabdingbar schien, von da an die Stimme ab und zu ans
Mikro zu tragen, um die Botschaft ganz zu erzählen."

Weiterhin: "Ich möchte, dass sich der Zuhörer nicht so alleingelassen
fühlt mit diesem Biest von Werk, sondern dass da eine Stimme ist, die
ihn hindurch trägt oder es durch ihn, wie auch immer."

(http://audio-lyrik.npage.eu/)

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...weltenbruchstücke auf der suche nach ihrer identität. von asynchronen zeitmesseinheiten und weltereignissen zwischen tür und angel. von schlafenden menschen und warum man sie (nicht) wecken sollte...

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